Teilwasserwechsel in Aquarien
Damit es den Fischen gut geht, sollte Aquarienwasser immer eine angemessene Qualität aufweisen – angesichts dessen ist auch ein Teilwasserwechsel angebracht. Teilwasserwechsel bedeutet, dass Sie altes Wasser durch neues Wasser ersetzen.
Der regelmäßige Teilwasserwechsel ist eine der wichtigsten Pflegemaßnahmen für jedes Aquarium. Anders als viele Aquarianer zunächst vermuten, reicht selbst die beste Filtertechnik nicht aus, um langfristig optimale Wasserwerte zu gewährleisten. In diesem Leitfaden erfahren Sie, warum Teilwasserwechsel unverzichtbar sind und wie Sie diese fachgerecht durchführen.

Teilwasserwechsel – muss das sein?
Jetzt werden Sie denken, dass schlechtes Wasser durch den eingebauten Filter leicht gereinigt werden kann. Irrtum – selbst der beste Filter vermag dies nicht zu leisten. Selbst dicht bepflanzte Becken können wegen des meist reichlichen Fischbesatzes nicht genügend Schadstoffe abbauen. Um einer zu hohen Schadstoffbelastung vorzubeugen, sollte man alle 14 Tage einen Teilwasserwechsel durchführen. Es empfiehlt sich, die ganze Prozedur mit der Reinigung des Aquariums zu verbinden.
Warum Teilwasserwechsel unerlässlich sind
Im Aquarium sammeln sich kontinuierlich verschiedene Schadstoffe an, die selbst hochwertige Filtersysteme nicht vollständig beseitigen können:
- Nitrate und Phosphate: Endprodukte des biologischen Abbaus, die zu Algenwachstum führen können
- Wachstumshemmende Hormone: Besonders von Goldfischen und anderen Karpfenartigen abgegeben
- Gelbstoffe: Organische Verbindungen, die das Wasser verfärben und die Lichtdurchlässigkeit verringern
- Mikroplastik und andere Schadstoffe: Können aus Dekorationsmaterialien oder durch Futtermittel ins Wasser gelangen
Selbst ein stark bepflanztes Aquarium kann bei durchschnittlicher Besatzdichte nicht genügend Schadstoffe abbauen. Die regelmäßige Verdünnung durch frisches Wasser ist daher die effektivste Methode, um die Schadstoffkonzentration niedrig zu halten.
Optimale Frequenz und Menge
Für die meisten Süßwasseraquarien gilt:
- Häufigkeit: Alle 7–14 Tage
- Menge: 25–30 % des Gesamtvolumens
- Zeitpunkt: Idealerweise am Ende eines Beleuchtungszyklus, wenn Pflanzen Sauerstoff verbrauchen, statt zu produzieren
Bei stark besetzten Becken oder empfindlichen Fischarten können auch häufigere, dafür kleinere Wasserwechsel (15–20 % wöchentlich) sinnvoll sein. Für Neueinsteiger ist ein fester Rhythmus von 25 % alle zwei Wochen empfehlenswert.
Notwendige Ausrüstung für den professionellen Wasserwechsel
Für einen effizienten und schonenden Wasserwechsel benötigen Sie:
- Wasserwechselschlauch: Idealerweise mit integriertem Bodengrundabsauger oder separater Mulmglocke
- Saubere Eimer: Ausschließlich für Aquarienzwecke, keine Reinigungsmittelrückstände
- Wasseraufbereiter: Bindet Chlor, Schwermetalle und andere schädliche Stoffe im Leitungswasser
- Thermometer: Zur Kontrolle der Wassertemperatur
- Algenschwamm/Algenmagnet: Für die parallele Scheibenreinigung
- Pflanzen- und Bodengrundpflegegeräte: Pinzette, Schere für Pflanzen, Mulmsauger
- Wassertest-Set: Zur Kontrolle der wichtigsten Wasserwerte
Professionelle Durchführung eines Teilwasserwechsels
Vorbereitung
- Planung: Verbinden Sie den Wasserwechsel mit anderen Pflegemaßnahmen wie Filterreinigung oder Pflanzenschnitt
- Wasseraufbereitung: Bereiten Sie das frische Wasser idealerweise einen Tag vor dem Wasserwechsel vor, damit es Zimmertemperatur annehmen kann
- Geräte abschalten: Vor Beginn alle elektrischen Geräte (Filter, Heizung, Beleuchtung) vom Stromnetz trennen
Teilwasserwechsel-Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wichtig!
Wenn Sie am oder auch im Aquarium arbeiten, schalten Sie alle Geräte (Licht, Filter, Heizung) aus und trennen Sie die Netzstecker.

Schritt 1: Altes Wasser entfernen
- Positionieren Sie den Eimer niedriger als das Aquarium und starten Sie den Wasserabfluss per Schlauch
- Nutzen Sie eine Mulmglocke, um gleichzeitig Mulm und Detritus vom Bodengrund abzusaugen
- Achten Sie darauf, nicht zu tief in den Bodengrund einzudringen, um das Bakteriengleichgewicht nicht zu stören
- Entfernen Sie ca. 25-30% des Wassers, bei stark verschmutztem Zustand nicht mehr als 40%
Schritt 2: Wartungsarbeiten durchführen
- Nutzen Sie das abgelassene Aquarienwasser für die Filterreinigung, um nützliche Bakterienkulturen zu erhalten
- Entfernen Sie abgestorbene Pflanzenteile und überschüssige Algen
- Reinigen Sie die Scheiben mit einem Algenschwamm oder Algenmagnet
- Säubern Sie bei Bedarf technische Geräte wie Heizstab oder Strömungspumpe von Ablagerungen
Schritt 3: Frisches Wasser vorbereiten
- Stellen Sie sicher, dass das frische Wasser die richtige Temperatur hat (max. ±1-2°C Abweichung)
- Geben Sie die korrekte Dosierung des Wasseraufbereiters gemäß Herstellerangaben hinzu
- Bei Bedarf weitere Wasserzusätze wie Mineralien oder Spurenelemente hinzufügen
- Gründlich umrühren, um eine gleichmäßige Verteilung der Zusätze zu gewährleisten
Schritt 4: Aquarium wieder auffüllen
- Gießen Sie das Wasser vorsichtig über einen umgedrehten Teller oder die Hand, um den Bodengrund nicht aufzuwirbeln
- Alternativ: Nutzen Sie einen Rücklaufschlauch, der an einer Aquarienscheibe befestigt wird
- Achten Sie auf die korrekte Füllhöhe unter Berücksichtigung technischer Einbauten
- Nach dem Befüllen Pflanzen und Dekorationen in Position bringen
Schritt 5: Abschluss und Kontrolle
- Schalten Sie alle technischen Geräte wieder ein
- Kontrollieren Sie nach 24 Stunden die Wasserwerte (pH-Wert, KH, Nitrit)
- Dokumentieren Sie den Wasserwechsel in einem Aquarientagebuch
Besondere Vorteile regelmäßiger Teilwasserwechsel
Neben der Schadstoffreduktion bieten regelmäßige Teilwasserwechsel weitere Vorteile:
- Algenkontrolle: Durch Reduzierung von Nährstoffen wird übermäßiges Algenwachstum verhindert
- Verbessertes Fischwachstum: Besonders bei Goldfischen und anderen Karpfenartigen werden wachstumshemmende Hormone verdünnt
- Stabilere Wasserwerte: Pufferkapazität wird durch frisches Wasser erneuert
- Erhöhte Vitalität: Fische zeigen intensivere Färbung und aktiveres Verhalten
- Verbesserte Zuchtbedingungen: Stimuliert bei vielen Fischarten die Laichbereitschaft
- Mineralstoffversorgung: Frisches Wasser liefert wichtige Mineralien für Fische und Pflanzen
Spezielle Tipps für verschiedene Aquarientypen
Pflanzenaquarien
Bei stark bepflanzten Becken können Pflanzen mitunter unter Nährstoffmangel leiden. Hier empfiehlt sich:
- Etwas geringere Wasserwechselraten (15-20%)
- Ergänzung mit Pflanzendünger nach dem Wasserwechsel
- Besonderes Augenmerk auf CO₂-Versorgung nach dem Wasserwechsel
Diskus- und andere anspruchsvolle Fischarten
Diese benötigen besonders sauberes Wasser:
- Häufigere Wasserwechsel (2-3 mal wöchentlich)
- Geringere Mengen (10-15% pro Wechsel)
- Sehr präzise Temperaturanpassung des frischen Wassers
Nano-Aquarien
Kleine Aquarien reagieren empfindlicher auf Veränderungen:
- Häufigere, aber kleinere Wasserwechsel (15-20% wöchentlich)
- Besonders genaue Temperaturanpassung
- Vorsichtiges Einfüllen, um Aufwirbelungen zu vermeiden
Häufige Fehler beim Wasserwechsel vermeiden
- Zu seltene Wasserwechsel: Führen zu schleichender Verschlechterung der Wasserqualität
- Zu große Wasserwechsel: Können das biologische Gleichgewicht stören
- Temperaturschock: Mehr als 2°C Unterschied kann Fische stressen oder krank machen
- Chlorhaltiges Wasser: Leitungswasser immer mit Wasseraufbereiter behandeln
- Bodengrund zu stark aufsaugen: Zerstört wichtige Bakterienkulturen
- Filter mit Leitungswasser reinigen: Tötet nützliche Bakterien ab
Gesundheit aller Aquarienbewohner
Der regelmäßige Teilwasserwechsel ist eine unverzichtbare Pflegemaßnahme, die maßgeblich zur Gesundheit aller Aquarienbewohner beiträgt. Mit der richtigen Ausrüstung und Technik wird er zu einer einfachen Routine, die langfristig zu einem stabilen biologischen Gleichgewicht, klarem Wasser und vitalen Fischen führt. Besonders Anfänger sollten sich einen festen Rhythmus angewöhnen und den Wasserwechsel als Gelegenheit nutzen, ihr Aquarium regelmäßig zu beobachten und kennenzulernen.